Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur dritten Option am 1. Januar 2019 sollte es für Unternehmen selbstverständlich sein, genderinklusiv und -gerecht zu kommunizieren. Es ist die zeitgemäße Art der Ansprache. In diesem Artikel möchte ich Ihnen praktische Tipps und Orientierungshilfen an die Hand geben, die Sie in Ihrer täglichen Unternehmenskommunikation unterstützen.
Inklusive und gerechte Sprache macht die Vielfalt der Menschen in Wort und Bild sichtbar. Sie spiegelt unterschiedliche Lebensrealitäten wider und bietet allen die Möglichkeit, sich wiederzufinden. Ziel ist es, stereotype Rollenbilder zu hinterfragen, die auf tradierten Erwartungen und Klischees beruhen – und aktiv gegen Ausgrenzung zu wirken.
Diese Stereotype und Klischees bilden häufig die Grundlage für geschlechtsspezifische Diskriminierung und fördern sexistisches Verhalten. Eine gendersensible Sprache hingegen kann verinnerlichte Rollenbilder aufbrechen, Menschen in ihrer Identität stärken – und diskriminierende Denkmuster nachhaltig verändern. Wer genderinklusive Sprache bewusst einsetzt, fördert Vielfalt, schafft Akzeptanz und erhöht die Identifikation mit dem Unternehmen. Gendergerechte Sprache in der PR-Arbeit hat weitreichende Auswirkungen auf die Unternehmenskultur. Sie ist nicht nur ein sprachliches Stilmittel, sondern ein Ausdruck von Haltung und gelebter Gleichberechtigung.
- Sichtbarkeit und Wertschätzung
- Gleichberechtigung wird erlebbar
- Kultureller Wandel und Modernität
- Stärkung von Zusammenhalt und Identifikation
- Vorbildfunktion und soziale Verantwortung
- Förderung von Diversitätskompetenz
Gendergerechte Sprache macht alle Geschlechter sichtbar – nicht nur Männer und Frauen, sondern auch nicht-binäre Personen. Damit signalisiert ein Unternehmen, dass es Vielfalt anerkennt und wertschätzt. Das schafft ein inklusiveres Arbeitsumfeld, in dem sich mehr Menschen angesprochen und akzeptiert fühlen. Sprache prägt Denken und Handeln. Wenn in der internen und externen Kommunikation konsequent gendergerecht formuliert wird, wird Gleichberechtigung nicht nur behauptet, sondern aktiv gelebt.
Mitarbeitende erleben dadurch, dass Diversität nicht nur eine Floskel ist, sondern im Alltag mitgedacht wird. Unternehmen, die gendergerechte Sprache einsetzen, positionieren sich als modern, reflektiert und gesellschaftlich verantwortungsvoll. Das wirkt sich positiv auf das Arbeitgeberinnenimage aus – besonders bei jüngeren, werteorientierten Generationen wie Gen Z und Millennials. Wenn sich alle angesprochen fühlen, steigt die Identifikation mit dem Unternehmen. Gendergerechte Sprache kann ein Baustein sein, um ein „Wir“-Gefühl zu stärken, Ausgrenzung zu vermeiden und interne Spannungen zu reduzieren. Organisationen haben eine Vorbildfunktion – sowohl gegenüber Mitarbeitenden als auch gegenüber der Öffentlichkeit. Gendergerechte Sprache zeigt, dass sich ein Unternehmen seiner sozialen Verantwortung bewusst ist und aktiv daran mitwirkt, Diskriminierung abzubauen. Die Auseinandersetzung mit gendergerechter Sprache schärft das Bewusstsein für Diskriminierungsstrukturen und fördert Diversitätskompetenz – eine wichtige Zukunftskompetenz für Führungskräfte und Teams gleichermaßen.
Unsere Welt ist sprachlich stark „männlich“ geprägt. Wird beispielsweise ausschließlich das generische Maskulinum verwendet – also eine Personen- oder Berufsbezeichnung in der grammatisch männlichen Form – denken wir automatisch an Männer, auch wenn alle Geschlechter gemeint sind. Sprache formt unsere Wahrnehmung und damit unsere Realität. Deshalb liest man in Stellenanzeigen heute kaum noch Begriffe wie „Ingenieur“ oder „Krankenschwester“, da sie jeweils nur ein Geschlecht adressieren und andere ausblenden.
Dieser Effekt zeigt sich schon bei Kindern: Genderinklusive Formulierungen führen dazu, dass vermeintlich „männliche“ Berufe von allen Geschlechtern als erreichbar wahrgenommen werden. Studien belegen, dass dadurch sowohl das berufliche Interesse als auch das Selbstbewusstsein gefördert werden. Kinder und Jugendliche erkennen, dass sie Herausforderungen selbst bewältigen können – unabhängig vom Geschlecht.
Es gibt heute keine Rechtfertigung mehr, einzelne Personengruppen sprachlich auszublenden oder abzuwerten. Sprache ist keine Nebensache: Sie schafft Realität. Eine inklusive und gerechte Sprache ist daher ein wesentlicher Schritt hin zu mehr Chancengleichheit – und bringt Vorteile für alle. Gendergerechte Sprache ist mehr als ein kommunikativer Trend – sie kann zur tragenden Säule einer respektvollen und inklusiven Unternehmenskultur werden. Sie eröffnet neue Perspektiven, stärkt den Zusammenhalt und macht Werte wie Gleichstellung und Respekt im Alltag sichtbar und erlebbar.
Hier sind praktische Beispiele gendergerechter Sprache in der Unternehmenskommunikation – jeweils mit einer klassischen Formulierung und einer gendergerechten Alternative, unterteilt nach Anwendungsbereichen:
1. Stellenausschreibungen
Klassisch:
„Wir suchen einen Projektmanager für unser Marketing-Team.“
Gendergerecht:
„Wir suchen einen Projektmanagerin (w/m/d) für unser Marketing-Team.“
Alternative: „Projektmanagement (alle Geschlechter) gesucht.“
2. Interne Kommunikation (E-Mails, Newsletter)
Klassisch:
„Liebe Kollegen, bitte reichen Sie Ihre Urlaubsanträge bis Freitag ein.“
Gendergerecht:
„Liebes Team, bitte reicht eure Urlaubsanträge bis Freitag ein.“
Alternative: „Liebe Kolleg*innen, bitte denkt an die Urlaubsanträge.“
3. Begrüßungen bei Veranstaltungen oder Meetings
Klassisch:
„Sehr geehrte Damen und Herren…“
Gendergerecht:
„Guten Tag und herzlich willkommen!“
Alternative: „Sehr geehrte Gäste / Anwesende / Teilnehmende…“
4. Unternehmenswebseite / Broschüren
Klassisch:
„Unsere Mitarbeiter sind das Herz unseres Unternehmens.“
Gendergerecht:
„Unsere Mitarbeitenden sind das Herz unseres Unternehmens.“
Alternative: „Das Team ist das Herz unseres Unternehmens.“
5. Social-Media-Kommunikation
Klassisch:
„Mitarbeiter des Monats: Herr Müller“
Gendergerecht:
„Teammitglied des Monats: Alex Müller“
Alternative: „Auszeichnung für besonderes Engagement: Alex Müller“
6. Leitbilder & Wertekommunikation
Klassisch:
„Jeder Mitarbeiter trägt zur Unternehmenskultur bei.“
Gendergerecht:
„Alle Mitarbeitenden tragen zur Unternehmenskultur bei.“
Alternative: „Alle im Team gestalten unsere Kultur mit.“
Stilistische Varianten gendergerechter Sprache
| Variante | Beispiel |
| Gendersternchen | Mitarbeiter*innen |
| Doppelpunkt | Mitarbeiter:innen |
| Binnen-I | MitarbeiterInnen |
| Partizipialform | Mitarbeitende |
| Umschreibung/Neutralform | Team, Fachkräfte, Führungspersonen |
Diversität in der Bildsprache
Bilder wirken oft noch direkter als Worte – und genau deshalb ist eine diverse Bildsprache so wichtig. Auch wenn es schwer ist, allgemeingültige Regeln zu formulieren, lohnt sich der bewusste Blick: Ihre gelebte Vielfalt sollte sich auch visuell zeigen.
Achten Sie auf eine ausgewogene Darstellung. Zeigen Sie Menschen unterschiedlicher Geschlechter, ethnischer Herkunft, Altersgruppen und mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen. Vermeiden Sie stereotype Darstellungen – etwa Frauen in emotionalen, familiären oder untergeordneten Rollen, während Männer technisch, durchsetzungsstark oder erfolgreich dargestellt werden.
Reflektieren Sie Bildkompositionen und Perspektiven:
- Kleidung: Wer trägt Anzug, wer Freizeitkleidung?
- Haltung: Wer steht? Wer sitzt? Wer lehnt sich an?
- Blickrichtung: Wer blickt nach oben, wer nach unten? Wer begegnet anderen auf Augenhöhe?
- Positionierung: Wer ist im Vordergrund, wer im Hintergrund?
All diese Details beeinflussen, wie Gleichwertigkeit und Diversität wahrgenommen werden.
Arbeitssituationen divers darstellen
Wenn Sie in Ihrer Unternehmenskommunikation Arbeitssituationen zeigen – etwa auf der Website oder in Broschüren – achten Sie darauf, keine tradierten Rollenbilder zu bedienen. Zeigen Sie gezielt unterschiedliche Geschlechter in typischerweise „männlich“ dominierten Berufen. Gerade bei der Ansprache von Jugendlichen in der Berufsorientierung ist das wichtig.
Auch wenn Sie Ihr Unternehmen als familienfreundlich präsentieren möchten, lohnt ein diverser Blick: Stellen Sie unterschiedliche Familienmodelle dar, zum Beispiel Regenbogen- oder Patchworkfamilien. So zeigen Sie, dass sich Ihr Angebot an alle Familienformen richtet – und Ihre Firmenphilosophie Vielfalt tatsächlich lebt.
Flagge zeigen – Haltung zeigen
Wenn Sie sich für Vielfalt und Gleichberechtigung einsetzen, zeigen Sie das auch. Das Einbinden von Regenbogen-, Bi-, Trans*- oder Inter*-Flaggen auf Ihrer Website, in E-Mail-Signaturen oder auf Social Media ist ein sichtbares Zeichen der Anerkennung.
Damit demonstrieren Sie, dass Sie die Bedürfnisse von LGBT*IQ-Mitarbeitenden ernst nehmen und fördern zugleich ein respektvolles, offenes Arbeitsklima. Gleichzeitig stärken Sie das Bewusstsein bei heterosexuellen Mitarbeitenden für die Vielfalt im Team und wirken Vorurteilen entgegen.
Genderinklusive und -gerechte Kommunikation ist kein Trend, sondern Ausdruck von Respekt, Fairness und Zukunftsfähigkeit. Wer Vielfalt lebt – in Sprache, Bild und Haltung – wird als Arbeitgeber attraktiver, fördert Motivation und bindet Talente langfristig.
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Als Kommunikationsberater unterstütze ich Sie gern dabei, Ihre Sprache und Bildwelt fit für eine vielfältige Gesellschaft zu machen – praxisnah, empathisch und strategisch fundiert.
Mein Name ist Patrick Lehmhaus. Ich unterstütze Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen dabei, ihre Kommunikation gezielt zu gestalten – strategisch fundiert, wertebewusst und wirksam. Ob interne Prozesse, öffentliche Auftritte oder persönliche Positionierung: Gemeinsam bringen wir Klarheit in Ihre Kommunikation.

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